Zeit zu impfen!
Zeit zu impfen!

Zeit zu impfen!

Impftermin = Tag der Wiedergeburt?

Neulich las ich bei Twitter folgende Nachricht. Das Sternchen mitsamt des Datums erinnerten mich spontan an ein Geburtsdatum. Für viele vielleicht sogar ein Wiedergeburtsdatum. Für mich war das der 08.04.2021. Schon seit geraumer Zeit hockte ich Abend für Abend vor dem Rechner um zu erfahren, wann ich frühstmöglich einen Impftermin bekommen könnte. Als Kontaktperson einer Schwangeren war ich schon vor längerer Zeit in die 2. Gruppe einsortiert worden (Menschen mit hoher Priorität). Obwohl schon die ersten Personen dieser Gruppe geimpft wurden, waren die Kontaktpersonen von Schwangeren noch nicht dran. Anfang April kam dann aber endlich die Nachricht, dass es losgehen könnte.

Gynäkologen sollen impfen, der Hausarzt übernimmt

Der Weg bis zur Impfung war dann jedoch noch ein weiter. Für meine Gruppe war es vorgesehen, dass Gynäkologen impfen. Beim nächstbesten Termin meiner Frau bei der Frauenärztin gab es jedoch zunächst einmal eine Absage. "Wir impfen nicht!", so die Aussage in der Praxis. "Wir können ihnen aber eine Bescheinigung fürs Impfzentrum mitgeben." Gesagt getan, was natürlich auch einen Anruf beim Impfzentrum nach sich zog. Über die 116117.de hatte ich ein nettes Gespräch mit der Hotline-Dame, die mich jedoch darauf hinwies, dass die Gynäkologen zuständig sind. Wenn der entsprechende Arzt nicht impfen würde, könnte ich ja einen Antrag bei der Stadt Münster stellen, dass ich besonders impfberechtigt bin. Könnte ich machen, aber ich vermutete, dass der Antrag dann durch ist, wenn der Nachwuchs bereits auf der Welt ist.

Da Hausärzte ja inzwischen auch ins Impfen mit einbezogen worden waren, dachte ich, dass ein Anruf da ja nicht schaden könnte. "Ja wir informieren sie, wenn sie dran sind", so der erste Versuch mich nett, aber bestimmt abzuwimmeln. Meine verbale Grätsche mit Erläuterung meiner Umstände, verhinderte den Abbruch des Gesprächs und nach zwei Minuten wurde ich darauf vertröstet, dass man sich so schnell es geht meldet, wenn man in der Praxis mehr wüsste. Auf die Frage, ob ich nochmal in der nächsten Woche nerven sollte, kam die recht bestimmte Ansage, dass man sich auf jeden Fall melden werde.

Die Anrufe und auch Gespräche mit befreundeten Ärzten in den Tagen danach verdeutlichen das Chaos, was wieder einmal herrscht. Niemand weiß so wirklich, wie es laufen soll. Was möglich ist. Was möglich sein sollte.

Nur wenige Tage später kommt der Anruf auf den ich sehnlichst gewartet habe. Ich stehe unter der Dusche, kann nicht dran gehen, aber die Zuständige versichert mir auf dem Anrufbeantworter, dass ich am 08.04. um 16 Uhr dran bin. Wenn ich mich davor nicht mehr melde, gehe man davon aus, dass ich komme. Ich rufe natürlich trotzdem an.

Geimpft!

Zwei Tage später bin ich geimpft. "Ich hab doch gesagt, dass ich mich melde", rügt mich die "Impfkraft" in der Hausarztpraxis bzgl. meiner Nachfrage in der Woche zuvor. Nach der Impfung 15 Minuten warten heißt es noch in der Praxis. Wegen allergischer Reaktionen und so. Um mich herum, andere Menschen, die geimpft wurden und werden. Gesichter, die einerseits Erleichterung, aber auch Unsicherheit ausstrahlen. Ich lasse sie kurz darauf alleine und fahre nach Hause. Spannung fällt von mir ab. Ehrlich gesagt könnte ich heulen, tue es aber dann doch nicht - stattdessen erzähle ich Freunden und Familie von der Impfung.

Abends bekommt meine Frau dann einen Anruf von der Gynäkologie-Praxis. "Wir wollen demnächst impfen!" - "Mein Mann ist bereits geimpft!" - "Achso - wo denn?" - "Beim Hausarzt!" - "Aha! Und das geht? Und wie haben die das gemacht?" Stille.

In der Nacht danach habe ich Kopfschmerzen. Der Einstich schmerzt, aber das ist alles, was mich an Nebenwirkungen der Impfung plagt. Am Tag danach bin ich etwas platt. Jetzt heißt es zwei Wochen warten, bis die erste Impfung schon eine gute Wirkung zeigen soll und dann nochmal vier Wochen bis zur nächsten Impfung.

Persönliches Glück mit Beigeschmack?

Das alles ist natürlich irgendwo mein persönliches Glück. Eine Impfung so früh ist eher ungewöhnlich für Personen meines Alters. Ich gehöre nicht zwingend zur Risikogruppe. Mein Aktionsradius ist relativ klein. Ich arbeite im Home-Office und Freunde und Familie sehe ich eher selten. Der größte Risikofaktor ist letztlich die schwangere Frau, die tendenziell durch ihren Zustand ein schwächeres Immunsystem hat und ein ungeborenes Leben in sich trägt. Natürlich gibt es auch für mich eine Wahrscheinlichkeit krank zu werden. Immer wieder hört man von den fitten, gesunden Menschen, die immer ihre Maske tragen, Kontakte runterfahren und trotzdem auf der Intensivstation liegen.

Viele andere, die es vielleicht nötiger haben, sind noch nicht geimpft. Darüber hinaus bekomme ich das BioNTech-Vakzin, obwohl ich als Mann in meinem Alter, vielleicht eher nicht zur Gruppe derer gehöre, die gefährdet sind, eine Hirnthrombose zu bekommen. Also warum nicht Astra-Zeneca. Hätte ich bestimmt bekommen können. Am Ende stelle ich aber keine Fragen, sondern bin nur glücklich über meine Impfung.

Ein Fazit fällt mir schwer.

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Für meinen Youtube-Kanal habe ich das Ganze nochmal in Bezug zu meinem Lauftraining gesetzt.