Als Laufen (un-)wichtiger war, als je zuvor..
Als Laufen (un-)wichtiger war, als je zuvor..

Als Laufen (un-)wichtiger war, als je zuvor..

..oder wie ich mehr Dinge, als je zuvor über mich lernte.

2020 war für uns alle ein besonderes Jahr. Corona war DAS Thema und ist es heute leider immer noch. Erst war es nur eine mysteriöse Lungenkrankheit irgendwo in China, dann irgendwas wie eine Grippe, dann sahen wir mit Schrecken zu unseren Nachbarn nach Italien, wo das Gesundheitssystem (beinahe) kollabierte und täglich 500 bis 1000 Tote für Entsetzen sorgten (heute schauen wir stumm akzeptierend auf ebensolche Zahlen in Deutschland) und schließlich war es auch in unserem Alltag angekommen.

"2020 - das Jahr, in dem ich so viele Kilometer lief wie nie zuvor"

Es folgten ein Lockdown mit Maskenpflicht, Homeschooling im Home-Office und dann doch ein Sommer, der für viele fast unbeschwert verlief. Ehe es dann wieder kippte und Deutschland ab Herbst in die zweite Welle steuerte. Mit wesentlich höheren Fallzahlen als noch im Frühjahr, mehr Toten, mehr Sorgen und das in der dunklen Jahreszeit mit Dauerregen (im Gegensatz zum ersten Sommer-Sonne-Sonnenstrahlen-Lockdown im Frühjahr).

Erwähnt sind da noch keine Existenznöte von Menschen, die ihren Job aufgrund der Pandemie verloren, ihren Laden nicht öffnen konnte, die kein Geld mehr hatten, Kinder, die kaum noch soziale Kontakte haben durften, den Anschluss in Sachen Bildung verloren oder einfach eine miese Zeit daheim verbrachten, oder halt Menschen, die selber an Corona erkrankten oder einen nahen Menschen durch Corona verloren. Und die Liste könnte ewig so weiter gehen.

Dieses Jahr 2020 war für mich das Jahr, wo das Laufen wichtig und unwichtig zugleich war. Während es mir in den Jahren davor immer wichtig war, Ziele zu erreichen, so sollte 2020 das Jahr werden, in dem mir Ziele ziemlich schnurz waren. Ich war froh überhaupt laufen gehen zu können. Während in manchen Ländern der Lockdown so streng war, dass man nur zum Einkaufen und für den Arztbesuch vor die Tür durfte, so war Deutschland in dieser Frage sehr entspannt. Dank Home-Office für meine Frau und mich, war es mir möglich fast zu jeder Tageszeit einen Lauf einzuschieben. Und so wurde 2020 das Jahr, in dem ich so viele Kilometer lief wie nie zuvor.

Laufen war wichtig um mich auszugleichen. Laufen war unwichtig, weil die Welt um uns herum quasi in Flammen stand.

"Tatsächlich erwog ich, die Laufschuhe für längere Zeit an den Nagel zu hängen"

Dabei fing das Jahr so rein vom Laufen eher sehr besch...eiden an. Im Januar, Februar und März kam ich auf rund 220 Kilometer. Nicht im Monat, sondern in drei Monaten. Ich war das Jahr wie immer mit der Hoffnung gestartet, irgendwie gesund durch den Winter zu kommen und doch so 180-200 Kilometer pro Monat abspulen zu können. Stattdessen sammelte ich Infekt nach Infekt ohne wirklich gesund zu werden.

Am 01.Februar vermerkte ich in meinem Lauftagebuch und auch bei Strava, dass ich keinen Bock mehr auf Laufen hätte. Und tatsächlich erwog ich, die Laufschuhe für längere Zeit an den Nagel zu hängen. Es folgten Wochen einer On-Off-Liebesbeziehung. Spätestens nach einer Woche wollte ich wieder laufen - aber bis Ende März wurde ich nicht wirklich gesund, ehe es dann langsam besser wurde. Und dann wurde es besser.

8 gute Laufmonate, in denen ich lernte - auch aus Fehlern

Es folgten acht gute Monate, wo immer am Ende des Monats rund 200 Kilometer zu Buche standen (ich zähle mal den April mit 198 Kilometern dazu). Auch hier gab es Ups and Downs, aber so viel Distanz konsistent hintereinander weg, bin ich noch nie gelaufen.

Ich war bis zum Dezember nicht mehr wirklich krank, wenn man mal von einem Schnupfen hier und da absieht. Im Mai bin ich auf knapp 270 km gekommen. Die beste Laufwoche steht mit knapp 90 km zu Buche. Hinzu kommen 15.000 Höhenmeter und im Corona-Jahr ein Test-Wettkampf (Juni - 5k: 18:14min) für mich alleine und einer unter Corona-Bedingungen (Oktober - 5k: 18:17min). Das sind Zeiten, die knapp hinter meinen Bestzeiten liegen. Also voll ok. Man wird ja auch nicht jünger.

Wenn ich generell etwas strukturierter trainieren würde, ist da sicherlich noch ein bisschen Luft nach oben.

Insgesamt bin ich in 40 Wochen am Stück mindestens einmal gelaufen.

Jetzt ist natürlich die Frage, wie es kam, dass ich durch das Jahr so gut durch gekommen bin und fünf Dinge stachen für mich heraus, die eine deutliche Besserung herbei führten gegenüber den Jahren zuvor.

  1. Das messen der Herzratenvariabilität (HRV) - die HRV stellt - sehr vereinfacht ausgedrückt - den Stress im Körper dar (z.B. durch Training, Stress im Job, Krankheiten, Alkohol, Reisen, etc.). Durch das regelmäßige Messen, erkennt man, wann es besser ist nicht zu trainieren. Für jemanden, der gerne mal etwas zu viel macht ein wertvoller Hinweis.
  2. Inzwischen nehme ich regelmäßig Darmbakterien/Probiotika in Tablettenform zu mir. Wohl die wirksamste Methode Infekten vorzubeugen!
  3. Eine ordentliche Ernährung. Im Sommer war ich zwei Wochen im Allgäu und weil es so schön war, bin ich täglich die Berge rauf und runter gedüst. Bereits nach einer Woche war ich so platt, dass ich gar nicht wusste, was da los ist. Solche Zustände hatte ich vorher schon häufiger mal gehabt - erklären konnte ich es mir aber zumeist nicht. Im Rückblick habe ich in dieser Zeit mich einfach zu schlecht ernährt. Zu wenig Kohlenhydrate, zu wenig Proteine und schon war die Energie weg. Und tatsächlich - nach einer zünftigen Nudeldiät ging es mir eklatant besser. Auch in den folgenden Monaten half das fast immer, wenn ich mal zu viel trainiert hatte, aber zu wenig Energie zugeführt hatte. Ich neige bei großen Anstrengungen eher wenig zu essen und dann eher Crap-Food, was natürlich wenig hilfreich bei der Regeneration ist.
  4. Mehr langsame Läufe, die wirklich langsam sind. Wenn ich mir meine Statistiken anschaue, dann liegt meine Jahres-Durchschnitts-Pace bei rund 5:00 min/k. 2016 lag die bei einem ähnlichen Umfang noch eher bei 4:40 min/k. Meine Bestzeiten waren aber eher schlechter und ich war häufiger krank. 🤷🏻‍♂️
  5. Home-Office. Das Training entspannter in den Alltag einzuflechten hat definitiv auch geholfen. Im Moment geht es halt auch mal morgens, wenn nicht so viel auf dem Schreibtisch liegt. Vor Corona wurde die Einheit dann eher mit Streß noch in die Mittagspause geschoben.

Urlaube

Speziell den Allgäu-Urlaub hatte ich ja schon angesprochen. Im Juli war ich zum inzwischen dritten Mal mit der Familie dort. Auch weil sich alle Aktivitäten inklusive Laufen einfach gut unter einen Hut bringen lassen.

Das Laufgebiet ist riesig und man lernt immer wieder neue Strecken kennen. Da ich meist neben der Wandertour mit der Family nochmal extra unterwegs bin, entdecke ich auf diesem Weg immer wieder neue tolle Ecken.

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In den Herbstferien stand noch eine Woche Cuxhaven auf dem Plan. Das hat mir läuferisch nahezu nichts gegeben. Auch der Urlaub selber in einem unglaublich überlaufenen Touristendorf an der Nordsee war eher solala. Im Nachhinein war es aber doch toll nochmal mit der Familie ein kleines bisschen Normalität zu haben und im Watt Muscheln zu suchen.

Social Media

2020 startete ich mal wieder einen Anlauf zu einem Youtube-Kanal. 22 Videos kamen zusammen. Im März startete ich - bis zum Juli gab es jede Woche ein neues Video. Dann kam der Urlaub und dann war die Luft raus. Der Druck jede Woche irgendwas auf die Beine stellen zu müssen, zusammen mit meinem Anspruchsdenken war irgendwie nicht die beste Kombination. Dennoch soll es demnächst weitere Videos geben, aber halt zu meinem Vergnügen ohne den Druck zu haben, nächste Woche ein neues halbgares Video veröffentlichen zu müssen. Die haben dann vielleicht nicht so die Reichweite, aber who cares.

Ein paar Videos haben mir auch im Nachhinein richtig gut gefallen. Von den Abrufzahlen fällt der Test der Stirnlampe erheblich aus dem Rahmen. Das Video wird weiterhin gut geklickt und geht auf die 5000 Abrufe zu. Sonst sind es eher so 100 😄

Instagram so ganz allgemein

Bei Instagram war ich zum ersten Mal ein mehr oder weniger ganzes Jahr aktiv. Heraus gekommen sind 120 Beiträge. Ich bin mir nie so wirklich sicher, ob ich wirklich Lust habe, mich in das Netzwerk zu vertiefen. Am nettesten finde ich es weiterhin am Ende des Jahres zu schauen, was ich so gemacht habe.

Best-9 of 2020
Best-9 of 2020

HRV4Training-Pro Ambassador

Im Winter habe ich mich als HRV4Training-Ambassador beworben und bin prompt genommen worden. Ich messe ja - wie erwähnt - täglich meinen HRV-Wert und bin sehr überzeugt von der Geschichte. Monetär wird das nicht entlohnt - das ist eher so ein Ehrenamt. 😂

Fazit

Lauftechnisch hätte es definitiv schlechter laufen können. Die Wettkämpfe haben mir nicht so sehr gefehlt umso schöner war es tatsächlich aus dem Jahr gelernt zu haben. Vermutlich mehr, als wenn es kein Corona gegeben hätte - aber das ist natürlich nur eine Vermutung. Auf ein noch besseres Jahr 2021

Das war dann auch schon das Jahr 2020. Am Ende vielleicht noch ein paar Tipps für Leute, die gerne ihre Läufe auswerten. Inzwischen mache das zunächst mal manuell mit eigenen Kategorien und Werten via Notion. Mehr dazu demnächst hier. Hinzu kommen Strava, Runalyze und Veloviewer. Damit hat man so ziemlich alles im Blick. Hinzu kommen noch die Apps von Stryd und inzwischen die von Coros (Uhr, aber hierzu auch später mehr).

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